Dieses
Gesenke wird
von einer ONO – WSW – streichenden Störung
abgeschnitten, längs dem der Nord –
gegenüber dem Südteil um 6 m gegen W verschoben
wurde. Im oberen Teil dieses Pierer-Gesenkes befindet sich auch der
zweite Ausgang aus der Grube in dem schon vorhin erwähnten
Steinbruch. Die Störung, die das Pierer-Gesenke gegen N
abschließt, ist etwa 4 m vor dem Ausgang am westlichen Ulm
anhand einer kurzen Strecke, die im Hangenden der Störung
geschlagen wurde, gut kenntlich. Der nördlich dieser zuletzt
genannten Blattverschiebung gelegene Teil wird schon etwa 20 m abermals
von einer NO – SW – streichenden, mit 70°
gegen NW einfallenden Störung abgeschnitten. Längs
dieser Störung erfolgte abermals eine relative
Westverschiebung des nördlichen Teiles um 3 bis 4 m. Auch
diese Störung wird in den sogenannten „Abbauen beim
Kumpfelsen“, d. h. etwa 25 m nördlich des Ausganges
beim Steinbruch, von einer Strecke durchörtert.
Im Hangenden der
Störung liegt die
sogenannte „Große Zeche“, ein
steilstehender Abbau, der im N von einer 55° gegen 326
einfallenden Verwerfung abgeschnitten wird. Diese Zeche ist derzeit nur
in ihrem tiefsten Teil befahrbar; seinerzeit kam man auch durch eine
Strecke vom Kumpfelsen (Steinbruch) aus in ihre höchsten
Verhaue.
Die „Große
Zeche“ ist kein einheitlicher Gang, sondern man kann deutlich
eine stärker vererzte liegende Partie und ein
geringmächtigeres Hangendtrum, das vom liegenden Teil durch
eine taube Scholle getrennt wird, unterscheiden.
Hangend zur letztgenannten, NW
–
fallenden Störung, kommt man durch einen kleinen, gegen NNW
gerichteten Schlag nach etwa 15 m zum Vorort und damit zum
nördlichen Ende des Piergrubengebäudes.
Somit kann man zusammenfassend
feststellen,
dass im gesamten hier besprochenen Bereich nur maximal zwei mittelsteil
gegen O bis saiger einfallende Gänge vorkommen:
1.) Ein von der Piergrube bis
zur
Großen Zeche bebauter Hauptgang; und
2.) Ein Hangendtrum (in der
Piergrube mit
edlen Erzen, bei der Schächtegruppe mit Schwerspat, in der
Großen Zeche wieder edler und vom Hauptgang durch taube
Schollen getrennt, mit ihm aber auch durch Erzschläuche
verbunden) oder ein Liegendgang (wie im Raum zwischen der
Schächtegruppe und dem Pierer Gesenke).
Die
Intensität der Vererzung der Trümer ist
unterschiedlich: Im südlichen Teil der Piergrube war das
Hangendtrum nur sehr schwach, gegen N zu (südlich des
Pierer-Gesenkes) waren beide Gangtrümer etwa
gleichmäßig vererzt, dann ging die Vererzung
offensichtlich wieder mehr auf den Liegendgang über, und in
der Großen Zeche waren beide Gänge wieder etwa
gleich mächtig.
Dies steht in einem klaren und
starken
Gegensatz zu älteren Auffassungen. J. A. DEADDA ( 23. 12.
1743) war der Auffassung, dass hier zwei gleichwertige Gänge,
ein Hangend- oder Hauptgang und ein Liegendgang auftreten. Aus seiner
Karte geht aber eindeutig hervor, dass es sich bei seinem
„Liegendgang“ lediglich um die gegen das Liegende
(W) abgescherten Trümer des Hauptganges handelt. Das gleiche
gilt auch für die Arbeit NEUBAUERs, der sogar der Ansicht war,
dass wir es hier mit mindestens vier Gängen zu tun
hätten. Die Störungen treten im S in
größeren Abständen auf als im N, d. h. der
nördliche Teil ist enger von Zerscherungen durchrissen als der
südliche. Gleichzeitig nehmen aber die
Versetzungsbeträge gegen N immer mehr ab.
Nachstehend nochmals die
Verschiebungbeträge von (S gegen N):
Piergrube gegen die
Schächtegruppe:
33 m
Schächtegruppe gegen
den
nördlichen Bereich: 11 m
Südstörung
des
Pierer-Gesenkes: unbekannter, aber geringer Verschiebungsbetrag
Pierer-Gesenke gegen den
nördlichen
Abbau: 6 m
dieser Abbau gegen die
Große
Zeche: 3 bis 4 m.
Es scheint sich also die in
allen Bereichen
gleichgerichtete Beanspruchung im Süden durch wenige,
kräftige Verschiebungen zu äußern, im N
dagegen in mehrere Teilblätter aufzusplittern. Dies steht
sicher in einem ursächlichen Zusammenhang mit der
Annäherung der Störung an den hangenden
Glimmerschiefer, den man beispielsweise im Pierer-Gesenke gut
beobachten kann. Die ungleichartige Zerhackung der
erzführenden Marmore ist also stofflich bedingt.
Die Relativbewegungen der
Blöcke
lassen sich aus den Gangrichtungen erschließen:
Im Bereich nördlich
und
südlich des Berghauses streicht der Hauptgang auf dem tiefsten
Lauf gegen 4/184. In einer kleinen Zeche oberhalb dieses Laufes ist das
Streichen etwas gegen NNW gedreht, unmittelbar unter dem Pierschacht
wieder gegen NNO. Er ist im Bereich der Schächtegruppe etwas
gegen NNW verdreht, im nördlich der nächsten
Störung gelegenen Bereich noch mehr, im Pierer-Gesenke pendelt
er wieder stärker zurück, d. h. er streicht hier
nordwestlich – südsüdöstlich,
südlich der Großen Zeche (vollkommen herausgedreht)
wieder gegen N – S, in der Großen Zeche selbst
wieder gegen nordnordwest – südöstlich. In
den oberen und höchsten Verhauen der großen Zeche
und in den Abbauen beim Kumpfelsen folgt eine sehr starke Herausdrehung
gegen NO – SW. Man bemerkt also von Süd gegen Nord
gehend zuerst eine ruhige Lagerung des Ganges um N – S,
wogegen der Gang in den Bereichen, die enger zerhackt sind, sehr stark
verdreht ist und außerdem im Süden flacher
einfällt, im Norden dagegen steiler gestellt wurde.
W. NEUBAUER hat schon 1952 die
Ansicht W.
PETRASCHECKs (in: REDLICH 1931), der festgestellt hatte, dass die
Erzgänge „den Gesteinsschichten meist
gleichmäßig folgen“, richtiggestellt und
zum ersten Mal niedergelegt, dass es sich bei diesen Gängen um
quergreifende Klüfte handelt.
Der
Hauptgang zeigt eine echte Gangfüllung mit stärkeren
metasomatischen Verdrängungen der Salbänder als im
Westfeld. Er folgt einer Ruschel. Er wird gegen die Tiefe zu allgemein
mächtiger, wogegen er nach oben zu immer mehr an
Mächtigkeit verliert. Dies lässt sich besonders
schön am Beispiel der Großen Zeche verdeutlichen,
die im tiefsten Teil eine Mächtigkeit von 4 bis 5 m aufweist,
wogegen sie in ihren obersten Teilen (Abbaue beim Kumpfelsen) nur etwa
1 m, oft sogar noch weniger misst. Das Auskeilen des Ganges geht hier
nicht auf ein Scherflächenscharnier, wie es von NEUBAUER
für die Gegend bei der Schächtegruppe festgestellt
wurde, zurück, sondern auf ein primäres Auskeilen der
(später vererzten) Zerrüttungszone.
Als Beispiel für eine
spätere Aktivierung alt angelegter Ruscheln und
Brüche sei hier ein Beispiel aus den Abbauen im Kumpfelsen
angeführt: Hier streicht eine Ruschel NW – SO und
fällt saiger ein und endet an dem gegen O, d. h. normal
einfallenden Hauptgang. Sie war übrigens auch offensichtlich
mit oxydischen Erzen, die später ausgebaut wurden,
gefüllt. Es muss angenommen werden, dass dieser Ruschel
älter als die primäre Vererzung ist (da sie am Gang
endet), und gleichzeitig muss sie in jüngster Zeit aktiviert
worden sein, da sie selbst eine der NO–SW gerichteten
Blattverwerfungen abschneidet.
Somit kann zusammenfassend der
Piererbau als
eine z. T. metasomatische Gangfüllung einer in Bezug auf die
Erzmineralisation prätektonischen Ruschel angesehen werden.
Entsprechend dem Einfallen der Hangendschiefer taucht die Oberkante des
Ganges (?) gegen S ein. Die Verwürfe bedingen dabei ihre
wellenförmige Form. Das ? (Schnittkante der Ruschel (=Gang)
mit der
(Marmor/Schiefer –
Grenze)
fällt zuerst vom Pierer-Gesenke steil bis zur
Schächtegruppe ab, verläuft dann ebensöhlig
bis zum Pierschacht, und führt dann wieder mittelsteil hinab.
Unter dem Ortskern von Oberzeiring liegt sie schon etwa 40 bis 60 m
unter der Talsohle.
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